The next big thing is digital

The next big thing is digital
Florentine Bernard
the next big thing is digital
Wir befinden uns im größten Umbruch in der Geschichte der Menschheit. Mit atemberaubender Geschwindigkeit verändern neue Technologien das gesamte Wirtschaftsgefüge und damit die Gesellschaft, in der wir leben. Die digitale Transformation ist tiefgreifender, umfassender und nachhaltiger als alles bisher Dagewesene. Es ist ein Umbruch, der in seiner Geschwindigkeit und Intensität seinesgleichen sucht. Kein Stein wird auf dem anderen bleiben. Cisco-Verwaltungsratspräsident John Chambers schätzt in einem kürzlich gegebenen Interview, dass 40% der heute bekannten Top-Unternehmen in den nächsten zehn Jahren verschwinden werden. So wie Kodak. Das Unternehmen erfand 1975 die digitale Fotografie und legt damit, ohne es zu wissen, den Grundstein für seinen eigenen Untergang. Die Kamera wog damals knapp vier Kilogramm, der Chip brachte es auf eine Bildauflösung von 100 mal 100 Pixel. Das entspricht 0,01 Megapixel. 23 Sekunden dauerte es, bis das Bild auf eine Videokassette gespeichert war. Kein Wunder, dass ihr Erfinder Steve Sasson ob dieser im Alltag unbrauchbaren Technik keine Ahnung davon hatte, wie disprutiv diese Erfindung 40 Jahre später für seinen Arbeitgeber sein sollte.   Sie hatten keinen Tau von dem, was kommen sollte „Nachdem wir ein paar Aufnahmen damit gemacht hatten und sie am Bildschirm des TV-Geräts präsentierten, kamen die ersten Fragen“, erinnert sich der innovative Geist. „Wir fragten uns, warum irgendjemand ein Foto auf einem Bildschirm sehen will. Wo sollten die Bilder denn auch gespeichert werden? Könnte es denn so etwas wie ein elektronisches Fotoalbum geben?“ Fragen, die das Team um Sasson 1975 nicht beantworten konnte, da es deren Vorstellungskraft schlicht und ergreifend überschritt. Niemand hatte nur die geringste Ahnung, welch enormen Fortschritt die Technik in den kommenden Jahren machen würde.   Diese Dynamik ist mit nichts vergleichbar WhatsApp wurde 2009 in Kalifornien, dem Zentrum der digitalen Revolution, gegründet und 2014 von Facebook für 19 Milliarden Dollar gekauft. Die mehr als eine Milliarde User versenden 2015 um die 42 Milliarden Nachrichten, 1,6 Milliarden Fotos und 250 Millionen Videos pro Tag. Dabei arbeiten gerade einmal 60 Ingenieure für das StartUp aus dem Silicon Valley, das binnen weniger Jahre ein 100-Milliarden-Dollar-Geschäft zerstört hat: den SMS-Textnachrichten-Markt. Dieses Beispiel verdeutlicht die Dynamik, die von digitalen, disruptiven Geschäftsmodellen im 21. Jahrhundert ausgeht. Hat es von der Erfindung der Digitalkamera bis zum Ende des weltweit größten Herstellers von Fotofilmen rund 40 Jahre gedauert, brauchte WhatsApp nur zwei Jahre, um 20 Milliarden Nachrichten pro Tag zu erreichen. SMS brauchte dafür 20 Jahre. Schneller, schneller, schneller. Und das jeden Tag. Die digitale Revolution ist exponentiell. Und am Ende heißt es: The winner takes it all, weil die Konkurrenz ausgeschaltet wurde.   Weil exponentiell alles in den Schatten stellt Ray Kurzweil, ein amerikanischer Erfinder, Autor, Futurist und Leiter der technischen Entwicklung von Google, verwendet in seinen Vorträgen und Büchern gerne die Anekdote von der Erfindung des Schachbretts, um Geschwindigkeit und Impact der digitalen Revolution auf den Punkt zu bringen. Vor etwa 1.500 Jahren wurde das Spiel der Könige erfunden. Der Erfinder reiste damit zum Kaiser, um es ihm vorzustellen. Dieser war begeistert. So sehr, dass er es dem Erfinder freistellte, die Belohnung selbst zu bestimmen. Dieser gab sich bescheiden und meinte, alles, was er brauche, wäre etwas Reis für seine Familie. Beeindruckt von der Bescheidenheit dieses Mannes meinte der Kaiser, er solle ihm doch sagen, wie viel Reis er sich vorstelle. Der Erfinder schlug vor, für die Berechnung doch das Schachbrett zu verwenden: Legt auf das erste Feld ein Korn Reis, auf das zweite Feld zwei Körner, auf das dritte vier, auf das vierte acht. Am Ende, wenn das 64. Feld erreicht ist, wissen wir, wie viel Reis ich mir für meine Familie wünsche. Der Kaiser willigte ohne zu überlegen ein, um kurz darauf festzustellen, dass ihm für die Berechnung der Reismenge gar die Zahlen ausgingen. Nach 63 Verdoppelungen waren es mehr als 18 Trillionen Reiskörner. Eine unvorstellbare Zahl. Der Mount Everest wäre im Vergleich zu diesem Reisberg ein Zwerg. In der gesamten Geschichte der Menschheit wurde nicht so viel Reis produziert. Wir können uns gut vorstellen, was auf der ersten Hälfte des Schachbretts passiert, da diese Zahlen für uns überschaubar sind. Was aber auf der zweiten Hälfte passiert, übersteigt unsere Vorstellungskraft.   Sind wir noch auf der ersten oder schon der zweiten Hälfte des Schachbrettes Gorden Moore, Mitgründer von Intel, beobachtete exponentielle Enwicklungen in der Computertechnologie bereis im Jahre 1963. Er entdeckte, dass sich die Anzahl der Transistoren auf einem integrierten Schaltkreis jedes Jahr verdoppelte. Und Moore sagte voraus, dass das auch in den nächsten zehn Jahren so weitergehen würde, um danach abzuflachen. Doch er lag falsch. Das Mooresche Gesetz der Verdoppelung hält bis heute an. Inzwischen lassen sich in etwa fünf Milliarden Transistoren auf einen Mikroprozessor bündeln. Die Frage lautet nur noch: Befinden wir uns auf der ersten oder schon der zweiten Hälfte des Schachbretts. Dazu stellte Andrew McAffee eine einfache Rechnung an. Er begann gemeinsam mit Eric Brynolfsson die Berechnungen im Jahr 1958, das oft als der Beginn der Informationstechnologie betrachtet wird. Unter der Annahme, dass sich die Anzahl der Rechenleistung alle 18 Monate verdoppelt, kamen die beiden zu dem Schluss, dass wir bereits 2006 die zweite Hälfte des Schachbretts betreten haben. 12 Jahre liegt dies bereits hinter uns. Facebook, WhatsApp und das Smartphone haben in dieser Zeit die Welt erobert und auf den Kopf gestellt. Jetzt lässt sich langsam erahnen, was die kommenden Jahre bringen werden.   Big Data: wenn aus Information Wissen und Vorsprung generiert wird Die Datenmenge, die täglich von Google gespeichert wird, übersteigt jegliches Vorstellungsvermögen. Noch mehr die Ergebnisse, die damit berechnet werden können. Und auch hier gilt: Die Menge verdoppelt sich alle zwei Jahre. Nicht jene Unternehmen, die die besten Produkte produzieren, sondern jene, die die besten Daten generieren und daraus die besten Dienstleistungen entwickeln, werden zu den erfolgreichen Anbietern der Zukunft gehören. So generiert der Internethändler Amazon ein Drittel seines Gesamtumsatzes über ein ausgeklügeltes Empfehlungssystem. Dieses erkennt aufgrund der Kauf- und Klickhistorie aller Kunden Muster. Daraus werden individuelle Präferenzen identifiziert und Kaufempfehlungen abgeleitet. Aufgrund des veränderten Einkaufsverhaltens kann die amerikanische Handelskette Target erkennen, ob eine Kundin schwanger ist. Und das schon im 3. Monat. Dieses Wissen wird dann verwendet, um entsprechende Produkte anzupreisen. Big Data wird aber nicht nur unser Einkaufsverhalten beeinflussen. Big Data wird zu neuen Geschäftsmodellen führen. Unternehmen erhalten die Möglichkeit, Entwicklungen in Echtzeit zu beobachten, Ereignisse zu prognostizieren und entsprechende Empfehlungen und Anweisungen zu geben. Das wiederum ist der Stoff, aus dem neue Geschäftsmodelle entstehen.   Vom Internet der Dinge über Big Data bis zum 3D-Druck Einer der faszinierendsten Bereiche wird der 3D-Druck sein. Als absolute „Killerapplikation“ bezeichnet Frank Piller von der Universität Aachen diese Technologie. Sie wird der Auslöser der nächsten industriellen Revolution. Sie macht den Konsumten zum Produzenten und lässt eine Demokratisierung der Produktion erwarten. Damit revolutioniert 3D-Druck traditionelle Wertschöpfungsketten. Und das ist keine Zukunftsvision, denn diese hat schon begonnen. 3D-Druck hat sein Nischendasein bereits verlassen und wächst mit – was sonst – exponentieller Geschwindigkeit. Schätzungen zufolge beträgt die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von ausgelieferten Geräten bis 2019 rund 100%. Sie haben richtig gelesen.   Europa mit 3% nur einen Punkt vor Afrika The next big thing is digital. And it‘s real big. Man könnte es durchaus mit einem Urknall vergleichen. Die Geburt einer neuen, noch unrunden Welt, deren Epizentrum in Silicon Valley liegt. Mit welcher Unwucht derzeit der digitale Globus durch das Weltall trudelt, zeigen folgende Zahlen: 64% der 60 wertvollsten Internetplattformen der Welt haben ihren Sitz in den USA. 31% in Asien. Die restlichen 5% teilen sich Europa mit 3% und Afrika mit 2%. Spätestens jetzt dürfte klar sein: Hoch gewinnen wir das Spiel nicht mehr. Umso wichtiger ist, in der Digitalisierung mehr zu sehen als eine gute Webseite oder das CRM in der Cloud. Digitalisierung ist der Beginn einer neuen Weltordnung, deren Regeln erst geschrieben werden müssen. Ein Artikel aus unserem Digital Signage Magazin. Hier gehts zur Onlineversion.