Marketing goes digital

Marketing goes digital
Florentine Bernard
Tankstelle Lackerschmid

Temperaturgesteuerte Werbespots beim Dorfbäcker. Stimmungsbilder bei Hervis. Staubzuckeremotionen bei SPAR. Buchtipps bei der Tyrolia. Die digitale Speisekarte in der Kantine. Ein Potpourri an Möglichkeiten erblüht aus zwei Wörtern. Digital Signage. Eine Welt der unbegrenzten Möglichkeiten hinter Displays und Videowalls.

Sie läuft. Die Treppen hinunter, hinaus ins Grüne. Ein paar langsame Schritte. Ihre Finger streifen das erste Grün der Blätter, bevor sie durchstartet. Rhythmisch. Die Morgensonne wirft lange Schatten auf die Holzbrücke. Slow Motion. Vogelperspektive. Laufgenuss in der Natur. Schnitt. Eine Pulsuhr im Großformat erscheint am Display. „Track all your sports.“ Auf Film gebannte Sportemotion direkt oberhalb der Vitrinen mit Pulsuhren im Hervis-Store. Eine der vielen Spielarten von Digital Signage. Zwei Wörter, die den Werbe- und Infomarkt auf eine vollkommen neue Stufe heben. Von temperaturgesteuerten Aktionen beim Bäcker bis hin zur Unterhaltung beim Plasmaspenden.

 

Die Spitze des Eisbergs

Das Haflingerdorf Ebbs. Mitten in ländlicher Tiroler Idylle ist das Unternehmen PEAKMEDIA  zu finden. Einer der Big Player der Digital Signage-Szene Österreichs. „Der Times Square in New York ist das perfekte Beispiel für Digital Signage in Perfektion“, erklärt Jonas Wilhelm von PEAKMEDIA  in anschaulichen Bildern, was hinter den beiden Wörtern steckt. „Ein Digital Signage-System besteht grundsätzlich aus zwei Komponenten. Ein Server, der Inhalte bereitstellt, und Abspielgeräte, die diese Inhalte wiedergeben. Präsentiert werden die Inhalte auf Displays bis hin zu haushohen Videowalls. Früher hatte man ein Plakat an der Wand hängen. 24 Stunden die gleiche Information. Mit Digital Signage hat man auf der gleichen Fläche die Möglichkeit, wechselnden Content zu präsentieren, ihn darüber hinaus an Uhrzeit, Wetter und dergleichen anzupassen.“

 

Gebrauchtwagen im Café

Die Bandbreite der Nutzung reicht von Mitarbeiterinformationen über die Erzeugung von Stimmungen bis hin zur Bewerbung von speziellen Produkten. Über Schnittstellen können die Inhalte individuell mit dynamischen Informationen wie Nachrichten oder Wetterbericht erweitert oder auch interaktive Elemente eingebaut werden. Eine Möglichkeit, auf die die Autohäuser Unterberger setzen. „Die Café-Bars in unseren Standorten sind gleichzeitig der Wartebereich unserer Kunden. Durch die flexible Handhabung der Software konnten wir eine Schnittstelle konfigurieren, sodass unser Gebrauchtwagenportal auf den Bildschirmen mühelos angezeigt werden kann. Ein System, das für uns absolut durch die Einfachheit der Bedienung punktet und nebenbei den Kunden die Wartezeit verkürzt“, so Fritz Unterberger jun.. „Jeder unserer Kunden stellt sich sein Programm quasi selbst zusammen, kann es jederzeit ändern, anpassen“, erklärt Jonas Wilhelm. Digital Signage: Eine Mischung aus Sendung und Website. „Es geht darum, die richtigen Inhalte, zum richtigen Zeitpunkt vollkommen heterogen zu zeigen.“ High-Tech-Marketing, für den Global Player genauso wie für das Schokocroissant vom Bäcker nebenan.

 

Werbung mit Temperaturfühler

Die Breze mit Tomaten schaut verlockend aus. Wenig später verführt ein Brötchen, gefüllt mit Wurst und Ei, garniert mit frischem Schnittlauch. „Für die Bugglerpause und die Schuljause“ ist darunter zu lesen. Sekunden später verleiten Panoramabilder des Kaisergebirges zum Träumen. Der Bichlbäck in Ebbs setzt seit fünf Jahren auf Digital Signage. Schräg gegenüber dem länglichen Bistrotisch platziert, erregt der Monitor die Aufmerksamkeit. Das klassische Beispiel für Digital Signage-Nutzung in kleinen Unternehmen. „Früher wurden A3-Zettel aufgehängt, um über Aktionen zu informieren. Mit den Hinweisen am Display fällt das Ausdrucken weg, die Werbung erscheint weitaus hochwertiger, ist schneller aktualisierbar und bietet einen Mehrwert für den Betrachter.“ Dieser Mehrwert kann dabei vielfältig sein. Vom Bus- oder Zugplan bis hin zum Spruch des Tages, Fotoimpressionen, Nachrichten oder auch der Wettervorschau. Da vor allem kleine Unternehmen oft nicht hinreichend eigenen Inhalt haben, um Abwechslung auf den Bildschirm zu bringen, bietet PEAKMEDIA  einen eigenen Info- und Entertainmentbereich. Inhalte, die fast alle kostenlos vom Server bezogen und in den persönlichen Kanal miteingebaut werden können. „Die Inhalte jenseits der unternehmereigenen Werbung animieren zum Hinschauen, verkürzen die Zeit in der Warteschlange oder unterhalten beim Kaffeetrinken.“ Am Display des Bichlbäcks wird inzwischen für ein Schokocroissant geworben. In ein paar Stunden, kann das schon anders sein, je nach Wetter. „Schokocroissants werden bei hohen Temperaturen kaum gekauft, Werbung dafür ist bei Badewetter damit wenig zielführend und kann dank Digital Signage ganz leicht ausgeblendet werden. Über Schnittstellen zu Wetterdaten können die Angebote an die aktuellen Gegebenheiten angepasst werden.“

 

Geloopte Abwechslung

Ein paar Stunden später, ein Einkauf bei SPAR. In der Feinkostabteilung wird via Display über neue Aktionen informiert, während im Backbereich Staubzucker wie Pulverschnee auf einen Gugelhupf rieselt. Ein Video, das zum Genuss verführt. Wie oft die Informationen wechseln, hängt ganz von der Verweildauer der Kunden ab. Ob fünf Minuten an der Fleischtheke oder 30 Minuten im Café – das Programm läuft in einem Loop, der individuell angepasst werden kann. Mit rund 800 Displays hat PEAKMEDIA bisher österreichweit SPAR-Standorte ausgestattet. Betreut werden sie von einer einzigen Person, die in Salzburg sitzt, von dort aus alle Monitore bespielt. Eine enorme Zeitersparnis. Das Aushängen von Informationen in jeder einzelnen Filiale wird genauso hinfällig wie das schwarze Brett im Mitarbeiterbereich. Ein Knopfdruck genügt und alle Systeme sind up to date. Wobei das nicht heißt, dass überall der gleiche Inhalt präsentiert wird, denn Individualität ist der Schlüssel zum Werbeerfolg.

 

Auf dem Weg zum Schnitzel

Der Sportspezialist Hervis setzt in seinen Filialen im Point of Sale auf Digital Signage. Informationen zu Laufschuhen. Hinweise auf Aktionen. Emotionale Bilder bei Pulsuhren. Der große Unterschied zum Lebensmittelkonzern SPAR: Die Marktleiter bestimmen selbst den Inhalt des Systems. Passen ihn an die jeweiligen Standortgegebenheiten an. „Von der Zentrale gibt es dazu eine große Auswahl an Aktionen und Informationen, die jede Filiale nach Bedarf nutzen kann. Kommt etwa neue Ware herein, kann in kürzester Zeit darauf reagiert, das Produkt auf den Displays beworben werden.“ Eine Möglichkeit, auf die auch die Raiffeisenbank zurückgreift. Landesweite Inhalte für alle Bankstellen werden mit örtlichen Informationen, die jede Filiale selbstständig hinzufügt, aufgewertet und personalisiert. „Es war uns wichtig, ein System zu finden, welches sehr wenig Aufwand für die Mitarbeiter erfordert und dennoch modern und ansprechend für die Kunden ist“, erklärt Josef Danzl von der Raiffeisenbank St. Ulrich – Waidring. Personalisiert und doch simpel in der Handhabung ist auch für das Unternehmen Dussmann der Schlüssel zum Erfolg. Der weltweit agierende Dienstleister betreibt Kantinen für Großunternehmen. Die Informationen zu den Speisen erhalten die Kantinenbesucher via Display. „Schon auf dem Weg zur Kantine wird das Tagesgericht vorgestellt. In der Kantine selbst zeigen Monitore Menüpläne genauso wie Informationen zu den einzelnen Gerichten.“ Bestückt wird das Programm vom Küchenchef. Um allen Kantinen den gleichen Look zu verleihen, wird dazu auf Vorlagen gesetzt. „Der Küchenchef muss nur ein Formular ausfüllen, ein Foto vom Gericht einfügen. Die Software bereitet die Information entsprechend den Design-Vorgaben automatisiert auf.“ Ein System, auf das auch die Buchhandlung Tyrolia mit ihren 18 Tiroler Standorten zurückgreift. Von Buchtipps bis hin zu Lesungsankündigungen und Autorenvorstellungen. „Die Mitarbeiter müssen nur die Daten eingeben, das Programm generiert daraus selbstständig eine Animation“, erklärt Jonas Wilhelm.

 

Spruch des Tages trifft Kopfmassage

Ein Besuch beim Friseur. Es gibt wohl eine Sache, die dort jeder kennt. Die Optik der Decke über den Waschbecken. Den Kopf nach hinten geneigt fällt der Blick auf weiße Decken, Lüftungsrohre. Ganz anders beim Friseursalon Chaos in Kufstein. Hier werden zur Kopfmassage der Spruch des Tages serviert, die neuesten Frisurentrends vorgestellt. Einem Display an der Decke sei Dank. „Es handelt sich hier weniger um klassische Werbung als vielmehr um einen Service zur Kundenbindung.“ Rein zur Unterhaltung dient Digital Signage auch im Wartebereich des St. Johanner Krankenhauses oder der Plasmazentren von Shire/BioLife. „Die Bandbreite der Einsatzmöglichkeiten von Digital Signage ist vielfältigst. Genauso wie die Architektur und das Design rund um die Präsentationsgeräte. In Summe eine neue digitale Info- und Werbewelt mit Möglichkeiten wie aus Tausend und einer Nacht.“

Ein Artikel aus unserem Digital Signage Magazin. Hier gehts zur Onlineversion.

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