it’s all about content

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Florentine Bernard
sabrina contenterstellung
Die beste Hard- und Software ist nur so gut wie der Inhalt, der darauf läuft Digital Signage ist weit mehr als ein digitales Plakat. Mit einem durchdachten Konzept aus Informationen und Entertainment – zeitgesteuert, personalisiert und einen Schritt voraus – lassen sich Menschen genau da abholen, wo sie sind. Die schlechte Nachricht für alle, die es gern einfach haben: Auf der Suche nach dem perfekten Content gibt es keine Einheitslösung. So unterschiedlich die Orte, an denen ein Display eingesetzt wird, die Ansprüche, die an ihn gestellt werden, und die Menschen, die ihn betrachten, so vielfältig sind auch die Strategien, mit denen man sie erreicht. Die gute Nachricht: Es gibt Leute, die sich mit nichts anderem beschäftigen. Und die das Kopfzerbrechen darüber gerne für ihre Kunden übernehmen. Samuel Geisler, Geschäftsführer von PEAKMEDIA, konzipiert seit sechs Jahren Contentlösungen für Digital Signage. „Eigentlich ist es ganz simpel: Der richtige Inhalt soll zur richtigen Zeit am richtigen Ort gesendet werden“, sagt der 33-Jährige. Doch wie bei den meisten Dingen, die einfach klingen, steckt auch hier ein ausgeklügeltes System dahinter. „Am Anfang jeder Digital Signage Strategie stellen wir uns zusammen mit dem Kunden die Frage: Was wollen wir erreichen?“ Soll zum Beispiel ein Mehrverkauf erreicht werden – nicht eine Packung Orangensaft über die Ladentheke gehen, sondern zwei? Soll ein Zusatzverkauf die Folge sein und etwa zu einem Neuwagen noch die passenden Fußmatten verkauft werden? Oder einfach nur Wartezeit verkürzt werden? Bis die Winterreifen drauf sind oder die nächsten Behandlungszimmer frei? Smarte Loops statt Werbeschleife „Je nach festgestecktem Ziel stellen wir Designvorlagen her oder produzieren mit Hilfe unseres Agenturnetzwerks attraktiven Content“, sagt Geisler. Der Ausstrahlungsort bleibt dabei immer mit im Blick. Mal träfen schnelle, aggressive Bildschnitte genau den Nerv (Stichwort Sportabteilung), mal eher sanfte Fade-Outs (Wellnessbereich). Das eine Mal regten emotionale Bilder zu einem Spontankauf ein, das andere Mal lenkten sie den Kunden einfach nur ab. „Auch die Looplängen passen wir dem jeweiligen Standort an“, sagt der Digital Signage-Experte, „von einer Minute – für hochfrequentierte Displays in Schaufenstern oder Tankstelle – bis zu sechs Minuten oder sogar mehr.“ Wird ein Monitor zum Beispiel hinter einer Bar oder im Empfangsbereich eines Hotels genutzt, geht PEAKMEDIA  von einer längeren Verweildauer aus. „In diesem Fall sollten die Inhalte ein hohes Maß an Abwechslung bieten – ein Mix aus Infos zum Hotel, Ausflugtipps, Wetterdaten und rein unterhaltsamen Videoclips wäre ideal.“ Im besten Fall würde der Gast die Wartezeit auf ein bezugsfertiges Zimmer gar nicht als solche empfinden – sondern als angenehmes Verweilen bei guter Unterhaltung. Stoisch eine Anzeige nach der anderen zu schalten, würde dagegen weniger gut ankommen. „Der Kunde ist schnell übersättigt. Hochwertig produzierte Aufnahmen unterzumischen zahlt sich wirklich aus“, sagt der PEAKMEDIA -Geschäftsführer. Kunden und Partner des Unternehmens bekommen diesen Entertainmentcontent kostenlos gestellt, das können Lifestyle- oder Sportvideos von Red Bull sein, Funfacts oder Nachrichten. Damit der Zuseher nicht das Gefühl hat, in einer Warteschleife festzukleben, arbeitet PEAKMEDIA  mit dem sogenannten Round-Robin-Verfahren. „Vereinfacht gesagt bedeutet das, dass auf jedem Sendeplatz mehrere Inhalte hinterlegt sind und der Player in jedem neuen Loop auf einen anderen zurückgreift“, erklärt Geisler. So kommt auch in 30 aufeinanderfolgenden Loops kein Sportclip zweimal vor – und der Gast wird sich auch beim fünften Bier nicht langweilen. HTML5 ist das neue Flash „Der Trend geht heute in Richtung dynamische und sich selbst produzierende Inhalte“, sagt Jonas Wilhelm. Er ist Projektleiter bei PEAKMEDIA  und der richtige Mann in allen Softwarefragen. Wenn es darum geht, Bewegtbild und Multimedia im Browser darzustellen, war bis vor Kurzem die Softwarekomponente Flash der heilige Gral. Weil gravierende Sicherheitslücken, fehlende Kompatibilität mit Betriebssystemen und Fehleranfälligkeit bei Digital Signage aber gänzlich fehl am Platz sind, arbeitet PEAKMEDIA  ausschließlich mit dem neuen Standard HTML5. „Man kann sich diese Computersprache ein bisschen wie einen Serienbrief vorstellen: Datenbanken werden mit Vorlagen verknüpft“, sagt der 32-Jährige. Zum Beispiel wird ein Video produziert und mit einem Template versehen. Bestimmte Bereiche dieser Schablone werden mit einem Platzhalter versehen, der dann vom jeweiligen Player mit zeit- und ortsspezifischen Informationen befüllt wird. „Die Kunden der Raiffeisenbank Innsbruck zum Beispiel werden um acht Uhr früh mit ‚Guten Morgen, Innsbruck’ begrüßt, die Kunden in Kufstein zwölf Stunden später mit ‚Guten Abend, Kufstein’“, ergänzt der Softwareexperte. „Und zwar, ohne dass ein Filialmitarbeiter auch nur einen Finger zum Klick ansetzen müsste.“ Schönwetter? Rein mit den Spots für Rollerskates! Die smarten Player können aber noch mehr. „Durch die GPS-Daten des Standorts ‚wissen’ die Geräte von PEAKMEDIA nicht nur, wo sie sind, sondern auch, ob es dort gerade regnet oder schneit“, sagt Wilhelm. Sinnvoll ist wetterbasierter Content vor allem dann, wenn der Absatz bestimmter Produkte gesteigert werden soll. „Bei Schönwetter bewerben unsere Displays in den Filialen der Sporthandelskette Hervis zum Beispiel Rollerskates, bei Schlechtwetter Regenponchos.“ Supermarktketten wiederum könnten in allen Filialen mit einer Außentemperatur von mindestens 25 Grad vollautomatisch Eiskonfekt bewerben, in allen anderen Gummibärchen „oder was auch immer das Herz begehrt, beziehungsweise den Laden hütet.“ Mehr als nur Zukunftsmusik: Player, die ihre Kunden erfassen Die Zukunft der Contentdistribution hält noch einiges an Überraschungen bereit. Das Schweizer Start-Up Advertima etwa investiert in Face Detection: Schon jetzt können manche Digital Signage Bildschirme erkennen, wer vor ihnen steht. „Das klingt für einige erstmal fragwürdig bis utopisch“, sagt Samuel Geisler, „persönliche Daten werden bei der Gesichtserkennung aber keine gespeichert.“ Vielmehr ginge es darum, spontan zu erheben, ob ein Kunde Brillenträger ist oder nicht, sich altersmäßig eher für Comics oder Kreuzworträtsel interessieren könnte oder aufgrund seiner Verweildauer mit Shoppinglaune zu rechnen ist. „Bisher nutzen wir bei PEAKMEDIA  diese Technik noch nicht“, sagt Geisler, „Jonas und ich freuen uns aber schon drauf, im Drogeriemarkt irgendwann einmal über Mengenrabatte bei Rasierklingen informiert zu werden.“ „Und nicht mehr“, setzt er nach, „über die Saugkraft der neuesten Damenbinde.“ Ein Artikel aus unserem Digital Signage Magazin. Hier gehts zur Onlineversion.